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Auf den Hund gekommen

Hundefutter ist nicht gleich Hundefutter. Eine neu gebaute Hundefuttermanufaktur erzeugt mit moderner Technik Futter der Premiumklasse – auch für Allergiker, Vegetarier und Gourmets.


      
                                                                            
                                                                     


Der Doppelwellenmischer steht auf
Wägezellen, womit sich die Gross-
komponenten einfach abwiegen
lassen





Die komplette Anlage ist so ausge-
richtet, dass sie bequem von einer
Person zubedienen ist. Das gilt auch
für das Etikettieren

Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Darum liegt den meisten Hundebesitzern das Wohl ihrer Tiere am Herzen und sie tun alles, damit es, ihren Lieblingen gut geht. Dabei spielt das Futter eine grosse Rolle. Doch moderne Herstellungsverfahren können die Verträglichkeit des Futters stark beeinträchtigen. Allergien und Unverträglichkeiten sind mittlerweile auch bei Hunden ein ernst zu nehmendes Thema geworden. So hat sich der passionierte Hundezüchter und studierte Agronom Walter Federspiel eine Lösung überlegt und eine kleine Hundefuttermanufaktur gebaut, die in Kürze mit der Produktion von Futter der Premiumklasse startet.

Aus der Not eine Tugend gemacht.

Als langjähriger Hundebesitzer und Züchter von Rhodesian Ridgebacks weiss Federspiel worauf es beim Futter ankommt: «In der Vergangenheit, war ich mit dem Futter nie recht zufrieden. Zudem hatte ich das Gefühl, dass es meinen Tieren auch nicht gutgetan hat, so dass ich wieder auf die ursprüngliche selbst hergestellte «Hausmannskost» zurückgekommen bin. Für Hunde ist eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig. Dabei kommt es nicht nur auf die Fleischmenge an, sondern auch auf Gemüse und Früchte, die wertvolle Ballaststoffträger sind. Das industriell hergestellte Hundefutter ist meist eine Mischung aus Fleischmehlwürfel mit Getreide und etwas Gemüse. In der Regel ist dieses Futter aber zu stark konzentriert, weshalb Hundebesitzer nicht zu viel füttern dürfen. Das hat aber oft zur Folge, dass die Tiere ständig Hunger haben. Zudem ist die Verträglichkeit dieses extrudierten Hundefutters nicht optimal. So kommt es nicht selten vor, dass ein Hund allergisch auf dieses industrielle Trockenfutter reagiert, obwohl er das Fleisch in gekochter oder roher Form meist gut verträgt. So stellen wir unser Nassfutter aus frischen Zutaten aus der Region her und achten auf eine ausgewogene Mischung.» Für die Futtermischung verwendet der Züchter rohes Gemüse, Fleisch (wie Geflügel oder Rind), gekochte Eier mit Schale, Obst, gewalzte und gequetschte Getreideflocken und Kartoffeln. Auch rein vegetarisches oder spezielles Futter für Allergiker, kann die Manufaktur problemlos herstellen.

Automatisierte Manufaktur.

Die Betriebsausstattung der Hundefutterfabrik hat der Agronom von Experten planen und fertigstellen lassen. «Für die Betriebseinrichtung haben wir Prozesse und die entsprechenden Anlagen geplant und für den fachgerechten Einbau gesorgt. Zudem waren wir für die Definition aller Medien wie Strom, Wasser, Kaltwasser, Druckluftsystem und ein spezielles Kühlwassersystem für den Autoklaven verantwortlich. Dank der innovativen Planung und moderne Technik haben wir die Betriebskosten auf ein Minimum reduziert. Der Prozess und dessen Ausführung basieren auf den Lebensmittelstandards und garantieren das hohe Sicherheitsniveau für den Betreiber und dessen Kunden. Grundsätzlich ist die grösste Herausforderung und auch einer der grössten Erfolge dieses Projektes das Betreiben der Kleinproduktion mit niedrigen Betriebskosten. Somit stammt das Produkt nicht aus einer Massenproduktion, es muss aber auch nicht ‹die Welt› kosten», erklärt Samuel Holland, Projektingenieur bei Kundert Ingenieure.

Für den optimalen Arbeitsprozess befindet sich das Kühl- und Tiefkühllager im Obergeschoss. Moderne Hebevorrichtungen sorgen hier für eine bequeme Einlagerung der Rohware. Die Mischung der Zutaten übernimmt ein Doppelwellenmischer, der auf Wiegezellen steht. So lassen sich Grosskomponenten rezeptgetreu direkt im Mischer abwiegen. Lediglich kleine Komponenten, unter 5 kg wiegt der Linienführer auf einer Extrawaage ab.

Für den Züchter war es wichtig, dass der Mischer die Struktur der Zutaten kaum verändert. So sind beispielsweise Karottenwürfel und Bohnenstücke deutlich als solche zu erkennen. Der Mischer kann die Doppelwelle in verschiedene Richtungen bewegen, was für den Transport der Futtermischung zum Abfüllen wichtig ist. «Die beste Förderung ist immer noch die Schwerkraft, denn diese fällt nie aus. So befördern wir das Futter über ein Fallrohr zum Vakuumfüller. Da Mischer und Abfüller das gleiche Volumen von 400 l aufweisen, kann der Linienführer bequem in einem Arbeitsgang eine Charge von 250 kg herstellen.

Für Welpenfutter ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt nicht nötig. Denn bei Bedarf lässt sich einfach im Abfüllprozess ein Fleischwolf integrieren, der das Futter zur gewünschten Konsistenz zerkleinert. Die fertig abgepackten 500 g-Schalen stapelt der Linienführer auf Gitter, die er in einen Käfig und so in den Autoklaven schiebt. Auch hier ist das Fassungsvermögen auf eine Charge ausgerichtet. Das Futter sterilisiert der Hersteller bei einem Minimum von 121 °C während 1,5 bis 2 Stunden. Da der Berieselungsautoklav sowohl über einen Heiss- als auch einen Kaltwasserzulauf verfügt, lässt sich die Charge noch im Autoklaven abkühlen. Das fertige Produkt muss nur noch abtropfen, bevor es das passende Etikett und den Sortenpunkt erhält.

Exakte Beschriftung.

Für die Angaben der Inhaltsstoffe haben die Spezialisten für Betriebseinrichtungen einen Drucketikettierer ausgewählt. Dieser speichert die Druckdaten direkt und druckt nur das, was gefordert ist. So hat der Hundefutterproduzent nur weisse Etiketten auf Lager, die erst bei Bedarf den passenden Aufdruck erhalten. «Die Daten für den Druck generieren wir aus unserer ERP-Standardlösung Millstar. Mit diesem Programm gestalten wir unsere Rezepturen, können daraus die exakten Gehalte unserer Inhaltsstoffe berechnen, das Etikett gestalten und diese Informationen an den Drucketikettierer leiten. Wenn wir das Rezept ändern, ist automatisch auch das Etikett geändert», erklärt Walter Federspiel. Die 500 g-Schalen verpackt der Hersteller in Umverpackungen, die es für vier, acht und zwölf Schalen gibt. So können Hundebesitzer auch verschiedene Sorten kaufen.

Die Vermarktung läuft fürs erste über den Onlineshop. Die Lieferung kommt dann per Post. Dank der Sterilisation ist das Hundefutter nicht auf eine durchgehende Kühlkette angewiesen. So ist auch die Lagerung bei Tierfreunden kein Problem. Einen Verkauf über Distributoren ist derzeit noch kein Thema, da es auch noch keine Distributorenkette gibt. Doch das ist der nächste Schritt.